Die Geschichte der Oberstufe Degersheim

Geschichte der Sekundarschule und der Realschule

Mit den verbesserten Verdienst-möglichkeiten seit der Einführung der Stickerei kam der Wunsch nach einer umfassenden Schulausbildung. Da man der Meinung war, dass die Sekundarschule (damals Realschule genannt) für Kinder aus wohlhaben-deren Kreisen bestimmt sei, wollte man die Kosten nicht der Gemeinde aufbürden und gründete 1864 die Sekundarschule als Aktiengesellschaft. Für das erste Schuljahr wurden 560 Aktien zu fünf Franken gezeichnet. Im ersten Jahr unterrichtete Reallehrer Grob 12 Schüler.
Bis 1866 wurde ein Zimmer im katholischen Schulhaus gemietet. Dann konnte das alte evangelische Schulhaus übernommen werden.


Landjägerhaus (heute Papeterie Schäfler)
1813 erbaut

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bis 1905 Sekundarschulhaus
1870 ging dann die Schule an die Politische Gemeinde über, die sie bis zur Gründung der Gesamtschulgemeinde (1973) verwaltete. Der Schülerbestand wuchs stetig. 1905 konnte das alte evangelische Primarschulhaus gekauft werden. Die Sekundarschule wurde auf zwei Lehrerstellen erweitert. 1921 musste wegen der vielen Schüler vorübergehend ein dritter Sekundarlehrer angestellt werden. Wie die Primarschulen, so steckte auch die Sekundarschule meist in Finanznöten. 1927 hätte in der freigewordenen Stickereifachschule auf der Steinegg ein Turnraum eingerichtet werden können, dies wurde aber abgelehnt.
Die dritte Lehrerstelle wurde erst 1942 wieder eröffnet und in der evangelischen Schule ein Raum gemietet. Die dritte Klasse blieb nun ständig im Schulprogramm, vorher mussten die Drittklässler zeitweise nach Herisau und St.Gallen zur Schule. Ab 1955 kamen die geburtenstarken Jahrgänge. Nun sprach man ernsthaft von einem Neubau, nutzte aber 1957 als Notlösung das freigewordene katholische Schulhaus an der Kirchstrasse. Bereits 1959 war die Schülerzahl so gross, dass die Drittklässler wieder nach Herisau, Flawil oder St.Gallen gehen mussten. Dann konnten die Parterreräumlichkeiten des ehemaligen Schulhauses, inzwischen war dort der Kinder-garten eingezogen, ausgebaut werden. Damit hatte man Platz, um 1960 und 1961 die vierte und fünfte Stelle zu eröffnen. Das Projekt Sekundarschule lehnte das Stimmvolk zweimal ab, weil inzwischen der Gedanke an eine Integration der Real-klassen (damals Abschlussklasse) als zeitgemässe Lösung reifte. Schulhaus Kirchstrasse bis 1973 Sekundarschulhaus1982 abgebrochen1968, nach einer weiteren Ablehnung durch die Bürgerschaft, wechselte man den Architekten. Endlich wurde 1969 dem Oberstufenschulprojekt zugestimmt. Nun aber lehnte der Kanton ab, weil kein neuer Wettbewerb ausgeschrieben worden sei. Erst im Frühling 1973 konnte auch die alte Sekundarschule ein eigenes Gebäude beziehen. Mit der Integration der vorerst noch konfessionellen Realklassen hatte Degersheim eines der ersten Oberstufenzentren im Kanton.

Schulverschmelzung 1973
Nachdem schon mehrmals der Gedanke an eine Verschmelzung der konfessionellen Schulen aufgetaucht war, kam in den sechziger Jahren Druck vom Erziehungsdepartement. 1967 wurde eine erste Diskussionsversammlung abgehalten. Noch waren konservative Kreise empört, wie tendenziös gegen die konfessionelle Schule gewettert wurde. Dem Zwang gehorchend, fanden zuerst die Realklassen im zu planenden Oberstufenschulhaus Platz. 1971 konstituierte sich eine Kommission Einheitsschulgemeinde. Drei Subkommissionen (Schulfragen, Organisationsfragen, Finanzen) arbeiteten daran. Mit den vier Degersheimer Schulträgern der evangelischen und der katholischen Primarschulgemeinde, der Politischen Gemeinde (Sekundarschule) und der Dorfkorporation (Kindergarten) ging die Arbeit zügig voran. Um an den kommenden Urnengängen keinen Schiffbruch zu erleiden, musste auf die Parität strengstens geachtet werden. Der neue elfköpfige Schulrat sollte aus mindestens je fünf Katholiken und fünf Protestanten zusammengesetzt sein, Magdenau erhielt drei Vertreter zugesprochen. Das konfessionelle Verhältnis der Lehrer musste dem der Schüler entsprechen. Das ausgeklügelte Gebilde «Schulgemeinde Degersheim» konnte am 8. Oktober 1973 gegründet werden. Getrennt hatten alle Schulträger die neue Schulorganisation angenommen, die Degersheimer mit grossem, die Magdenauer mit ganz knappem Mehr. nach Rolf Meier (gekürzt)